"Gemeinschaftsschule ist keine Gleichmacherei", sagt Prof. Dr. Peter Struck. "Gleichmacherei geschieht vielmehr in den klassischen Schulformen: Man geht davon aus, die Schülerinnen und Schüler einer Klasse seien gleich leistungsfähig und behandelt sie trotz unterschiedlicher Leistungsniveaus alle gleich", so der Hamburger Erziehungswissenschaftler. Gestützt auf Ergebnisse von Hirnforschern und Lernpädagogen plädiert Prof. Dr. Struck am Mittwochabend mit seinem Vortrag "Die 15 Gebote des Lernens – die Kurt-von-Marval-Schule auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule" für ein Umdenken im Schulkonzept. Eingeladen hatte zu der Veranstaltung die Nordheimer berufsorientierte Ganztagesschule gemeinsam mit der Gemeinde Nordheim.
Lernerfolg "Nicht das Belehren führe zum Lernerfolg, sondern das Selbstlernen, erklärt Professor Dr. Struck den interessierten Zuhörern in der vollbesetzten Festhalle. "Denn Kinder wollen etwas machen. Aber nicht immer dasselbe zur selben Zeit und nicht immer dasselbe wie der Lehrer." Das bisherige Schulkonzept mit Frontalunterricht in Klassen, in denen die Kinder nach Geburtsjahrgängen unterteilt würden, sei für die Zukunft untragbar und bilde eine "tickende Zeitbombe für den Wirtschaftsstandort Deutschland", so Struck. Der Beweis: In den vergangenen Jahren landete Deutschland bei internationalen Leistungsvergleichen regelmäßig auf den untersten Plätzen. "Zum Glück geht es mit den Reformen für effizientes Lernen schneller voran als wir dachten", stellt der erfolgreiche Buchautor in Aussicht.
Erkenntnisse Zu berücksichtigen seien elementare Erkenntnisse etwa beim Speichern des Wissens, erläutert Struck, der seinen rasanten Vortrag anschaulich mit Filmsequenzen unterlegt: Nur zehn Prozent werde durch Zuhören behalten, 80 bis 90 Prozent durch Sprechen und Handeln. Die Konsequenz: Statt Frontalunterricht durch einen Belehrer, führe das eigenständige Erarbeiten des Stoffs in kleinen, gemischten Altersgruppen zum höchstmöglichen Lernerfolg. "Kinder lernen am besten voneinander, und vor allem dadurch, dass sie anderen etwas erklären", so Struck. Werde außerdem als einer der wichtigsten Faktoren die Individualität eines jeden Schülers berücksichtigt, lasse sich die Lernmotivation erheblich steigern. Voraussetzung dafür sei die Ganztagsschule: "Wir haben in Deutschland die dicksten Lehrpläne der Welt. In Halbtagsschulen aber bleibt den Schülern zu wenig Zeit für das Üben und Anwenden."
Prof. Dr. Peter Struck (links) und Rektor Michael Mack hatten sich schon am Nachmittag gemeinsam mit dem Lehrerkollegium intensiv über das Konzept der Gemeinschaftsschule ausgetauscht.
Umsetzung Bereits am Nachmittag hatte das Lehrerkollegium der Kurt-von-Marval-Schule an einer vierstündigen Fortbildung bei Prof. Dr. Struck teilgenommen. "Er hat uns darin bestätigt, dass wir mit unserem Ziel, Gemeinschaftsschule zu werden, auf dem richtigen Weg sind. Entscheidende, von Struck befürwortete Elemente leben wir in unserer Schulgemeinde bereits", so Rektor Michael Mack. Neben dem Ganztagsbetrieb gehöre ein definiertes Profil ebenso dazu wie die individuelle Förderung der Schüler. Gelernt werde immer stärker in niveau- und altersgemischten Gruppen, darüber hinaus beziehe man Künstler und Sportler in das Schulleben ein. "Die angesprochenen An- und Entspannungsphasen mit viel Bewegung sind ebenfalls fester Bestandteil", so der Schulleiter. Bürgermeister Volker Schiek, der das Konzept der Gemeinschaftsschule für die Nordheimer Kurt-von-Marval-Schule ebenfalls unterstützt, resümiert: "Wir haben durch den Vortrag wichtige Impulse mitgenommen, vieles ist an unserer Schule schon im Fluss."
Quelle: Elke Khattab, Heilbronner Stimme
Vortrag von Prof. Dr. Peter Struck zeigt Vorteile der Gesamtschule auf
Von Elke Khattab
"Gesamtschule ist keine Gleichmacherei", sagt Prof. Dr. Peter Struck. "Gleichmacherei geschieht vielmehr in den klassischen Schulformen: Man geht davon aus, die Schülerinnen und Schüler einer Klasse seien gleich leistungsfähig und behandelt sie trotz unterschiedlicher Leistungsniveaus alle gleich", so der Hamburger Erziehungswissenschaftler. Gestützt auf Ergebnisse von Hirnforschern und Lernpädagogen plädiert Prof. Dr. Struck am Mittwochabend mit seinem Vortrag "Die 15 Gebote des Lernens – die Kurt-von-Marval-Schule auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule" für ein Umdenken im Schulkonzept. Eingeladen hatte zu der Veranstaltung die Nordheimer berufsorientierte Ganztagesschule gemeinsam mit der Gemeinde Nordheim.
Lernerfolg "Nicht das Belehren führe zum Lernerfolg, sondern das Selbstlernen, erklärt Professor Dr. Struck den interessierten Zuhörern in der vollbesetzten Festhalle. "Denn Kinder wollen etwas machen. Aber nicht immer dasselbe zur selben Zeit und nicht immer dasselbe wie der Lehrer." Das bisherige Schulkonzept mit Frontalunterricht in Klassen, in denen die Kinder nach Geburtsjahrgängen unterteilt würden, sei für die Zukunft untragbar und bilde eine "tickende Zeitbombe für den Wirtschaftsstandort Deutschland", so Struck. Der Beweis: In den vergangenen Jahren landete Deutschland bei internationalen Leistungsvergleichen regelmäßig auf den untersten Plätzen. "Zum Glück geht es mit den Reformen für effizientes Lernen schneller voran als wir dachten", stellt der erfolgreiche Buchautor in Aussicht.
Erkenntnisse Zu berücksichtigen seien elementare Erkenntnisse etwa beim Speichern des Wissens, erläutert Struck, der seinen rasanten Vortrag anschaulich mit Filmsequenzen unterlegt: Nur zehn Prozent werde durch Zuhören behalten, 80 bis 90 Prozent durch Sprechen und Handeln. Die Konsequenz: Statt Frontalunterricht durch einen Belehrer, führe das eigenständige Erarbeiten des Stoffs in kleinen, gemischten Altersgruppen zum höchstmöglichen Lernerfolg. "Kinder lernen am besten voneinander, und vor allem dadurch, dass sie anderen etwas erklären", so Struck. Werde außerdem als einer der wichtigsten Faktoren die Individualität eines jeden Schülers berücksichtigt, lasse sich die Lernmotivation erheblich steigern. Voraussetzung dafür sei die Ganztagsschule: "Wir haben in Deutschland die dicksten Lehrpläne der Welt. In Halbtagsschulen aber bleibt den Schülern zu wenig Zeit für das Üben und Anwenden."
Umsetzung Bereits am Nachmittag hatte das Lehrerkollegium der Kurt-von-Marval-Schule an einer vierstündigen Fortbildung bei Prof. Dr. Struck teilgenommen. "Er hat uns darin bestätigt, dass wir mit unserem Ziel, Gemeinschaftsschule zu werden, auf dem richtigen Weg sind. Entscheidende, von Struck befürwortete Elemente leben wir in unserer Schulgemeinde bereits", so Rektor Michael Mack. Neben dem Ganztagsbetrieb gehöre ein definiertes Profil ebenso dazu wie die individuelle Förderung der Schüler. Gelernt werde immer stärker in niveau- und altersgemischten Gruppen, darüber hinaus beziehe man Künstler und Sportler in das Schulleben ein. "Die angesprochenen An- und Entspannungsphasen mit viel Bewegung sind ebenfalls fester Bestandteil", so der Schulleiter. Bürgermeister Volker Schiek resümiert: "Wir haben durch den Vortrag wichtige Impulse mitgenommen, vieles ist an unserer Schule schon im Fluss."